Die große Aufgabe nach der Wende
28.02.2012
Die große Aufgabe nach der Wende

Schwerin • 1990: Es ist eine Zeit der Neuorientierung. So beschließt die Stadt Schwerin die Gründung der Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS) aus der Kommunalen Wohnungsverwaltung (KWV) heraus. Am 1. Januar 1992 übernimmt die WGS 20.518 Wohnungen aus dem Bestand der Stadt und muss nun für ihre Mieter nicht nur den Wohnraumbedarf, sondern auch den Sanierungsaufwand ermitteln.

Keine leichte Aufgabe, denn nur wenige Monate später gibt die Stadt auch die Wohnraumvermietung an die WGS ab. Neue Strukturen müssen aufgebaut werden. „Wohnraum für alle sozialen Schichten in der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen, war für uns die zentrale Aufgabe“, sagt Guido Müller, Geschäftsführer der WGS. „Um Mieterinnen und Mietern bei der Bewältigung einiger Veränderungen in der Gesellschaft zu helfen, richteten wir auch eine Beratungsstelle unter anderem für Mietschuldner ein.“
Dann geht es Schlag auf Schlag. 1994 nimmt die WGS über 52 Millionen Mark für die Instandsetzung und Asbestsanierung von Wohnungen in Lankow in die Hand. Neue Fenster, Türen, Fassaden, Heizungen und Elektroleitungen werden eingebaut. Noch einmal 150 Millionen DM werden für Sanierungsmaßnahmen in allen Stadtteilen ab 1995 eingesetzt. Dabei setzt die WGS nicht nur auf Sanierung des Altbestandes in den Backstein- und Plattenbauvierteln. Mit der Grundsteinlegung für 87 Reihenhäuser im Jahr 1994 wird erstmals die Schaffung von Wohneigentum für Schweriner eingeläutet. Durch die Altschuldenregelung in Deutschland muss die WGS aber auch den Bestand durch Verkäufe reduzieren. 1995 wechseln knapp 2.000 Wohnungen den Besitzer. Ein Jahr zuvor sind bereits 800 Wohnungen in der Weststadt an einen Mitbewerber aus Lübeck verkauft worden. Doch das Sanierungs- und Umbauvorhaben der WGS geht weiter: Im sogenannten „Klein Moskau“ von Schwerin wird in der Bertha-von-Suttner-Straße der Grundstein für einen modernen Wohnbaukomplex gelegt. In der Martin-Luther-King-Straße übergibt die Gesellschaft das erste Hochhaus nach der komplexen Sanierung mit behindertengerechten Wohnungen. Die Sanierung des Hochhauses in der Lessingstrasse beschert dem Bauherrn sogar einen bundesweiten Fassadenpreis. Doch nicht nur Wohnungssanierungen stehen auf dem Programm. Das Kulturhaus Thalia bekommt ein neues Kleid und die alte Feuerwehr hinter der Schauburg in der Geschwister-Scholl-Straße kann nach umfangreicher Instandsetzung vermietet werden.
Im April 1998 wird auf Initiative der WGS das Stadtmagazin hauspost als Kundenmagazin aller kommunalen Unternehmen herausgegeben. Es kommt jeden Monat pünktlich in alle erreichbaren Haushalte und informiert die Mieter. Als die im Tunnelschalverfahren gebauten Hochhäuser im Jahr 1999 nicht mehr wirtschaftlich sinnvoll saniert werden können, wagt die WGS ein bundesweites Pilotprojekt. Mit einer speziellen Technologie werden diese Elfgeschosser abgerissen und an gleicher Stelle neue Nutzungskonzepte umgesetzt. In Lankow entsteht in der Ratzeburger Straße ein Einkaufs- und Versorgungszentrum, ebenso in der Friedrich-Engels-Straße mit den Dreesch Arkaden. Auf dem Berliner Platz wächst ein Sport- und Freizeitzentrum aus dem Boden. Das Haus der Kultur wird wieder kulturelles Zentrum nach der Sanierung durch die WGS. Müller: „Noch heute ist die WGS Motor für die Entwicklung unserer Stadt und großer Vermieter von Wohnraum. Diese Aufgabe werden wir auch weiterhin zuverlässig erfüllen.“ Holger Herrmann